Vom guten Gefühl Handgewebtes zu verschenken

Das Weben und das Schenken gehörten für mich von Anfang an eng zusammen.

 

Das Glück des Entstehen-Lassens, das Glück des Schenkens und die Freude beim Beschenkten.

 

·      Das Weben musste ich erst lernen:

 

Ich lernte, jeden einzelnen Faden zu beachten, ihm meine ganze Aufmerksamkeit zu schenken. Jeder Faden hat seine Aufgabe, jeder muss an seinen Platz, an dem er sich wohlfühlt und an dem er seiner Aufgabe gerecht werden kann. Man muss lernen, das Material zu erkennen und zu respektieren. Man muss lernen, an welche Stelle, zu welchem Projekt ein bestimmter Faden passt.

 

Das Weben besteht aus vielen kleinen Schritten, von denen keiner vernachlässigt werden darf. Ich wähle die Fäden, ich bringe sie auf die gleiche Länge, bespanne den Webstuhl und gebe jedem Faden seinen Platz auf dem Webstuhl und später im Muster. Und dann: ich webe und sehe einen Stoff entstehen.

 

Diese Vorgänge schenken Geduld, Ruhe, Aufmerksamkeit und viel produktive Zeit.

 

·        Aber genauso wichtig ist mir auch die andere Seite:

 

Wer sind die Menschen, die meine Sachen besitzen werden. Welche Persönlichkeit wird durch einen Schal, eine Jacke aus meiner Werkstatt schöner, bedeutender und hervorgehoben? Auf welchem Sofa wird eine meiner Decken dem Raum einen Akzent setzen? Oder in welcher Küche wird eines meiner Tücher die Arbeit verschönern?

 

Besonders in meinen Anfängen spielte das Verschenken eine bedeutende Rolle. Meine Fähigkeiten waren noch nicht groß und umso entscheidender war es, bei der Arbeit mir vorzustellen, was mit dem Gewebe geschehen wird. Wird es der Beschenkten gefallen? Habe ich ihren Wunsch richtig erkannt? Kann sie erkennen, wieviel von ihr und von mir in diesem Gewebe steckt?

 

Und dann das Glück, wenn wirklich alles gepasst hat.

 

Noch heute spielt dieser Aspekt eine große Rolle:

 

Ich verkaufe meine Arbeit, aber ich verschenke meine Gefühle, die diese Arbeit begleiten. Der Gedanke an eine bestimmte Person, damit ein Gewebe so wird, wie es dann letztlich geworden ist. Die Vorstellung in welcher Situation es getragen oder benutzt wird, die Freude, wenn ich es vom Webstuhl nehmen kann und es mir wirklich gefällt und nicht zuletzt das große Glücksgefühl und Staunen, wenn ein Schal oder eine Jacke genau von der richtigen Person gefunden wird.

 

Für dieses Glück bin ich unendlich dankbar, meinen Freundinnen und Freunden, meinen Kundinnen und Kunden und allen, die sich auf die eine oder andere Art von mir beschenken lassen. Es ist für mich ein großes Geschenk. Dankeschön!

 

 

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